DIE ODYSSEE

 

 

Die grosse Erzählung
ein Theaterstück von Bruno Stori

Rico: Gian Rupf
Bühne:Bianca Pagano
Dramaturgie: Katharina Schöfl
Regie: Renate Gross
Produktion: theatercontinental
Spieldauer: 60 Min (ohne Pause)

Rico fährt das erste mal alleine mit dem Zug in die nächste Stadt. Das hätte auch ganz gut geklappt, wenn er nicht auf dem Bahnhof in der fremden Stadt dem Mann mit der schönen Stimme begegnet wäre. Der Mann erzählt unglaubliche Geschichten von einem gewissen Odysseus. Rico gerät über diese Erzählung so ins Staunen, ist so verzaubert und gebannt, daß er die Abfahrt seines Zuges versäumt. Auf verschlungenen Wegen gelangt er schließlich nach Hause: Vor dem versammelten Dorf beginnt er DIE GROSSE ERZÄHLUNG von seinen und Odysseus’ Abenteuern. Rico ist ein großer Junge, ein Kind im Körper eines Erwachsenen. Rico ist derart in seine Erzählung involviert, dass er zwischen der Erinnerung der Worte des Mannes mit der schönen Stimme und seinen eigenen Überlegungen die Abenteuer schließlich selbst erlebt, während er sie erzählt. Und die Zuschauer sind zugleich Ricos Reisebegleiter und die Gefährten des Odysseus…

Kritiken:

 (…) Rico trifft auf die Kraft des Erzählens selbst, gerät in den Sog der Phantasie und verliert sich darin ein wenig. Denn von der Glückseligkeit dieses partiellen Selbstverlustes handelt Bruno Storis »Die große Erzählung in einer Stunde« vielleicht vor allem. Und Gian Rupf, der den Rico spielt und die Geschichte von Odysseus noch dazu, kann, was er tut – ohne Zweifel: zwitschern wie ein Kanari, den geblendeten Riesen mimen, mit den Augen das Vorbeiziehen der Welt im Zuge zeigen, Winde verschlingen und das Publikum singen lassen. Mit minimalistischem Setting und maximalem Einsatz haben Rupf und seine Regisseurin Renate Groß der theatralen Verlängerung des Erzählens ein kleines Denkmal gesetzt: der Neugier, dem kindlichen Spieltrieb und der Begeisterungsfähigkeit.

Süddeutsche Zeitung, Sabine Leucht

Mitreißend, spannend und witzig zugleich vermittelte der Schauspieler Gian Rupf den kleinen und großen Zuschauern einen der ältesten Mythen der Menschheit: Die Geschichte von den Irrfahrten des Odysseus. Dadurch, daß ein kleiner Junge den Mythos der Odyssee nacherzählte, wurde die Geschichte gerade für Kinder faßbar. Rupf schlüpfte bei der Erzählung blitzschnell in die verschiedensten Rollen, gab den einäugigen Riesen ebenso fesselnd wie Rico selbst oder den Mann mit der schönen Stimme.

Es machte Spaß, ihm zuzusehen, wie er ganz allein mit nur wenigen Requisiten das Publikum mitnahm auf eine der tollkühnsten Reisen der Weltgeschichte. Er ging auf die Zuschauer zu und ließ sie beispielsweise in drei Gruppen einen Dreiklang ertönen, den er als den Gesang der Sirenen wahrnahm.

Münchner Merkur

(…) Einen großen Atem hat das Homersche Epos, doch Darsteller Gian Rupf
schafft es ganz famos, die Zuschauer im ruhigen Schnelldurchlauf mit auf
die Irrfahrt zu nehmen. Es ist herrlich komisch, wie er in sämtliche Rollen
schlüpft – vom heldenhaften Odysseus bis zur bösen Kirke – und dabei stets
die Kindlichkeit bewahrt. Schließlich ist es der Knirps Rico, der alles erzählt,
und wenn Rupf mit großen Augen den Kampf gegen den Einäugigen
Polyphem schildert, staunt man einfach mit. Selbst zum Sirenengesang
kann er die Kleinen und die Großen animieren.
Regisseurin Renate Groß und Schauspieler Rupf beweisen viel Köpfchen
mit dieser einfallsreichen One-Boy-Show, und treffen gleichzeitig dorthin,
wohin alle großen Geschichten zielen: mitten ins Herz.

Abendzeitung